Die Altstadt von Wernigerode und das historische Rathaus

Wernigerode – ein historisches Kleinod im Harz
Der Harz war aufgrund seiner reichen Erzvorkommen bereits im Mittelalter ein begehrtes Siedlungsgebiet besonders für Bergleute und Händler; heute wandern vor allem Urlauber durch die dichten Wälder rund um den Brocken, der mit einer Höhe von 1.142 m üNN die höchste Erhebung im Harz darstellt. Am Harznordrand liegt nordöstlich des Brockengipfels auf 240 m üNN die Stadt Wernigerode mit ihrer sehenswerten historischen Altstadt an dem kleinen Fluss Holtemme, der hier in Richtung Halberstadt den Oberharz verlässt. Der Ort Wernigerode entstand wahrscheinlich im 10. oder 11. Jahrhundert zunächst als kleine Rodungsinsel in dem früher sehr unzugänglichen Waldgebiet des Harzes. Erstmals urkundlich erwähnt wird Wernigerode im Jahr 1121, das Stadtrecht erhielt die Ansiedlung bereits am 17. April 1229; danach war die Stadt für lange Zeit ein wichtiger Verwaltungssitz mehrerer Herrscherhäuser. Als ältestes Siedlungsgebiet in der Altstadt gilt der Klint mit der früheren Schnakenburg, deren Ruinen erst 1805 endgültig abgebrochen wurden; den letzten Rest der Anlage stellt das Haus Gadenstedt aus dem Jahr 1582 in der südlichen Altstadt dar. Der bekannte Schriftsteller Hermann Löns gab Wernigerode den Beinamen „bunte Stadt am Harz“; der Grund dafür waren die vielfältigen Haustypen in der Altstadt mit dem unterschiedlichen Fachwerk und den zahlreichen Schnitzarbeiten.

Die Altstadt von Wernigerode – Häuser mit Geschichte und Geschichten

Bei einem Stadtrundgang durch Wernigerode treffen die Besucher in der Altstadt rund um den Wohltäterbrunnen auf Gebäude, die besondere Namen, Geschichten oder Fassaden aufweisen. Das wahrscheinlich älteste erhaltene Haus von Wernigerode in der Hinterstraße wurde um das Jahr 1400 erbaut und in Verbindung mit seinem Brunnen 1438 erstmals schriftlich erwähnt; das Haus ist das einzige Ständerbauwerk in der Altstadt und dokumentiert den Übergang von der mittelalterlichen Ständerbauweise zum Fachwerkbau. Sehenswert sind ebenfalls die Fassade der Alten Münze, das kleinste und das schiefe Haus; der Wasserzulauf durch den Mühlgraben unterspülte das Fundament dieser ehemaligen Mühle und das Gebäude neigte sich zur Seite, im Jahr 1680 wurde das Bauwerk jedoch wieder senkrecht aufgerichtet. Eines der interessantesten Häuser in der Altstadt ist das Krummelsche Haus in der Breiten Straße, das 1674 erbaut wurde. Die Fassade ist durchgängig mit Schnitzereien vom Straßenniveau bis zur Dachtraufe verziert; auf Holztafeln werden verschiedenste Symbole wie die Erdteile, die Elemente und einige biblische Sprüche dargestellt. Ein gut erhaltenes Relikt der alten Stadtmauer von Wernigerode ist der Westerntorturm, der 1250 als Stadttor und Zugang zur Altstadt erbaut wurde; daneben sind als weitere Reste der ehemaligen Stadtbefestigung nur noch zwei Halbschalentürme vorhanden. Die älteste Pfarrkirche von Wernigerode ist St. Sylvestri im Herzen der Altstadt; von dem ersten romanischen Bauwerk aus dem Jahr 1100 befinden sich noch die Pfeiler im Kircheninneren. Sehenswerte sakrale Bauten sind ebenfalls die Liebfrauenkirche, die St.-Georgs-Kapelle und die Kirche St. Johannis.

Das Rathaus von Wernigerode – vom Spielhaus zur Amtsstube

Die Ursprünge des Gebäudes reichen zurück bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1277 als „Thing- und Spelhus“; 1427 schenkte der letzte Graf von Wernigerode das Richt- und Spielhaus der Stadt. Über einem massiven Weinkeller wurden damals im großen Gastraum Gerichtstage abgehalten und Theaterfeiern veranstaltet; nach dem Stadtbrand 1455 wurde das Gebäude aufgestockt und erhielt 1497 zusätzlich zwei schlanke Fachwerktürme sowie im Jahr 1543 einen Glockenturm. Mit den geschnitzten Figuren an den Dachüberständen ist das Rathaus von Wernigerode eines der schönsten Gebäude in der Altstadt – und das wichtigste.

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