Everesting am Brocken – der längeste Tag des Jahres

Das Jahr 2020/2021 – Motivation in Zeiten der Pandemie

Sportliche Motivation ist in diesen Zeiten wertvoll. Kaum Wettkämpfe, eingeschränkte Mannschaftssport, allgemeine Orientierungs- und Lustlosigkeit… Mit dem halben Everesting (LINK) wurden die Weichen am Brocken gestellt. Dazwischen fand noch eine relativ spontane Radreise in die Dolomiten als Vorbereitung statt (Bericht folgt). Die Voraussetzungen standen also gut.

Aus meiner Sicht ist solch eine Fahrt „Kopfsache“. Mit meinen relativ geringen Jahreskilometer bis dato (ca. 3500km) scheint ein Everesting (speziell am Brocken mit seiner relativ geringen Steigung -> dadurch entsteht eine sehr lange Gesamtstrecke) unerreichbar.

348km | 17:31h | 8.860hm

Everesting – Was ist Everesting eigentlich?

Everesting ist die besondere Herausforderung für Radfahrer und Läufer. Ziel ist es, die Höhenmeter des Mount Everest (8848 hm) an einem frei wählbaren Anstieg zu absolvieren. Dazu sucht sich der jeweilige Protagonist eine Strecke aus und fährt / läuft diese so oft, dass er 8848hm zusammen hat.

 

Für ein komplettes Everesting müsste der Brocken insgesamt 18x erklimmt werden. Der Brocken als Strecke ist für ein Everesting nicht optimal, da die Steigung bei nur etwa 5% liegt.

Freitag der 13.08.2021 – Start um 00:34 Uhr

Für den Start erschien mir vor der Fahrt 0:00 Uhr am sinnvollsten. Somit bin ich am Freitag nach einem kleinen Grillevent (natürlich mit Alkoholfreiem Bier) mit dem Camper nach Schierke aufgebrochen.

Von der Euphorie der Sternschnuppen ( in dieser Nacht waren diverse Himmelskörper sichtbar – allein dafür hat sich das Aufstehen gelohnt ) angetrieben startet ich zu den ersten Auffahrten. Soweit so gut. Die ersten Fahrten vergingen. Ab ca. 4 Uhr hielt dann die Müdigkeit Einzug. Gepaart mit den relativ kühlen Temperaturen kann ich mich teilweise auch an kleine Momente des Sekundenschlafs auf dem Weg nach unten erinnern. Nach 3 Fahrten stand dann immer eine kurze Pause mit Essen und Getränke auffüllen an. Die erste Pause war echt hart. Hier wäre ich am liebsten im Auto geblieben…

Die Mahlzeiten vergingen und ich konnte weitere Striche auf meinem Everesting-Zettel machen. Mit zunehmender Dauer wurden die Zeiten etwas langsamer und die Auffahrten zogen sich wie Kaugummi. Interessant war, dass teilweise andere Radfahrer und Wanderer mein Vorhaben erkannten („warum fährt der so oft hier hoch“ oder „haben wir den nicht eben schon gesehen?“). So kam man ins Gespräch und wurde auch mal motiviert. Es hat mich überrascht, dass ein eigentlich sinnloses Vorhaben (hier 18,5 mal zum Brocken fahren) in der Bevölkerung teilweise bekannt ist.

Schlussendlich war es 21:33:52 Uhr als ein beherzter Schrei durch den (restlichen) Wald am Brocken ging. Der Radcomputer zeigte die Zahl 8.848 m auf der Anzeige der gesammelten Höhenmeter an. Somit hat sich ein kleiner Traum erfüllt. Obwohl, der Weg zum Ziel war der bisher längste in meinem Leben und wird für immer in der Erinnerung gespeichert bleiben.

Die Idee, den Start auf den Abend zu verlegen, hat sich am Ende als nicht so gut dargestellt. Ich würde empfehlen, immer vorher zu schlafen und dann 4 oder 5 Uhr zu starten. Bei den letzten Fahrten ist der Körper dann schon 40 Stunden wach gewesen. Davon mehr als 17 Stunden im Sattel. Das war dann schon deutlich spürbar.

Eine Frage der Motivation

Ich bin eine Person, welche sich zur Motivation immer Ziele setzen muss. Ohne dieses Ziel (Everesting am Brocken) hätte ich keine regelmäßigen Fahrten auf meinem Hometrainer überstanden. Bei einer solch langen Fahrt lernt man auch viel über sich selbst – führt teilweise auch Selbstgespräche.

fbt

Natürlich denkt man auch über ein Abbruch nach. Beim Essen im Auto und einen Blick auf den Zettel – 14 von 18 Fahrten – also muss ich noch 4 mal hoch. Das ergibt locker noch 4 Stunden Radfahren. Ok, 4 Stunden sind nicht viel. Hat man aber schon 14 Stunden auf dem Rad verbracht, kann die Motivation schon in den Keller fallen. Auf der anderen Seite erfordert ein solches Event auch etwas an Planung. Der August ist natürlich noch möglich, schöner wäre aber der Juli – die Tage sind hier länger. Aus dieser Sichtweise war Abbruch keine Option. Eine Wiederholung hätte einen weiteren freien Tag mit gutem Wetter auf und am Brocken erfordert.

Ausblick – wie geht es weiter

Nach dem Everesting am Brocken habe ich erstmal eine kleine Radpause eingelegt. Die Fitness wurde mit Fußball und etwas Eishockey nicht komplett auf 0 runtergefahren. Nun Anfang Dezember (die Einschränkungen durch die Pandemie werden wieder aktiv ) läuft das Brainstorming für kommende Events. Gern würde ich mal vom Harz an das Nordkap oder nach Tarifa fahren. Evtl. mache ich auch mal den Horror der Motivation: ein „vEveresting“ – ein Everesting auf dem Hometrainer. Etwas langweiligeres kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Mal sehen was kommt.

Eine Belohnung im November 2021

Nun sind auch meine individuellen Radsachen angekommen. Als „Belohnung“ für ein erfolgreiches Everesting kann man sich auf der Seite https://everesting.cc/ registrieren und ein (leider relativ) teures Shirt (teuer weil individuell) bestellen. Ich habe auch gleich die „Hells 500“ Hose mit dazu genommen. Eine tolle Erinnerung an den längsten Tag meines Lebens.

Weitere Infos:

Impressionen vom Brocken:

Tilo Breuer

Über den Autor

Hi, hier ist Tilo – der Gründer der Auszeit-im-Harz. In Schierke am Brocken aufgewachsen, bin ich so oft wie möglich in der Natur unterwegs. Meist mit Familie & Hund. In der Regel stehe ich hier oft hinter der Kamera.

Am liebsten bin zu schon sehr früh draußen. Hier gibt es am meisten zu endecken.

Weiter Hobbys wären jegliche IT-Technik und der Umbau von Häusern.

Mehr über Tilo Breuer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.